Erfahre, wie du eine Gehirnerschütterung erkennst, wann du nicht weiterfahren solltest und wie Erkenntnisse aus realen Stürzen in die Helm-Entwicklung bei MET einfließen.
Gehirnerschütterung
Radfahren gilt nicht unbedingt als Kontaktsport. Es gibt keine Tackles, keine regelbedingten Zusammenstöße und keinen Schiedsrichter, der auf einen heftigen Aufprall achtet. Doch Stürze passieren. Und wenn es dazu kommt, sind die Folgen nicht immer so offensichtlich wie der Sturz selbst.
Das solltest du wissen:
> Eine Gehirnerschütterung setzt keinen direkten Schlag auf den Kopf voraus.
> Du musst nicht das Bewusstsein verlieren, und die Symptome treten nicht immer sofort auf.
> Wenn du eine Gehirnerschütterung vermutest, solltest du nicht weiterfahren, sondern dich medizinisch untersuchen lassen
Um besser zu verstehen, was nach einem Sturz passiert, haben wir für die neueste Folge unseres Helmet Podcasts mit Dr. Adrian Rotunno, Teamarzt bei UAE Team Emirates-XRG, gesprochen.
Warum eine Gehirnerschütterung schwer zu erkennen sein kann
Eine Gehirnerschütterung ist eine Form des Schädel-Hirn-Traumas, die durch eine heftige Bewegung des Kopfes und des Gehirns verursacht wird. Diese Kraft kann durch einen direkten Aufprall entstehen, aber auch durch eine plötzliche Körperbewegung, die dazu führt, dass sich der Kopf ruckartig bewegt.
Anders als ein beschädigter Helm oder eine sichtbare Verletzung hinterlässt eine Gehirnerschütterung nicht immer offensichtliche Spuren. Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Sehstörungen, Verwirrtheit, ungewöhnliche Müdigkeit, Gedächtnis- oder Konzentrationsprobleme sowie Veränderungen des Gleichgewichts oder der Koordination können allesamt Anzeichen sein. Manchmal ist das deutlichste Anzeichen einfach, dass jemand nicht ganz wie sonst wirkt.
Beim Radfahren ist es besonders schwierig, eine Gehirnerschütterung zu erkennen. Adrenalin kann die Symptome überdecken, und nach einem Sturz ist der erste Impuls oft, das Rad aufzuheben und weiterzufahren. Bei einem Rennen kommt noch hinzu, dass das Rennen nicht unterbrochen wird. Wenn überhaupt, wird es manchmal sogar noch schneller.
Doch genau die Fähigkeiten, die dich beim Radfahren leistungsfähig machen, sind auch diejenigen, die durch eine Gehirnerschütterung beeinträchtigt werden können. Gleichgewicht, Koordination, Sehvermögen, Urteilsfähigkeit und Reaktionszeit müssen perfekt zusammenspielen, damit du sicher unterwegs bist – oft bei hohem Tempo und mit nur wenig Spielraum für Fehler.
Möglicherweise fühlst du dich durchaus in der Lage, weiterzufahren, ohne zu bemerken, dass eine oder mehrere dieser Funktionen bereits beeinträchtigt sind.
Die wichtigste Erkenntnis: Nach einem Sturz weiterfahren zu können, bedeutet nicht zwangsläufig, dass alles in Ordnung ist.
Was passiert mit dem Helm?
Ein Helm kann das Risiko einer Gehirnerschütterung nicht vollständig ausschließen, trägt jedoch dazu bei, das Risiko und die Schwere von Kopfverletzungen zu reduzieren. Zu verstehen, was bei einem Sturz passiert, ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung immer besserer Schutzlösungen.
Bei MET stammen einige dieser Erkenntnisse aus den Helmen, die aus der WorldTour zu uns zurückkommen.
Ein aktuelles Beispiel ist der Helm von Tadej Pogačar, den er bei seinem Sturz bei der Vuelta a España getragen hat. Anstatt ihn einfach zu ersetzen und zur Tagesordnung überzugehen, können unsere Ingenieure die Schäden genau untersuchen: Wo wurde der Helm getroffen? Hat sich die Struktur verformt? Und was verraten die Spuren des Aufpralls über den Sturz selbst?
Von dort aus können wir den Ablauf rückwärts rekonstruieren. Was ist passiert? Wie hat der Helm reagiert? Und was können wir daraus lernen?
Solche realen Stürze liefern wertvolle Erkenntnisse für die Helm-Entwicklung. Sie helfen uns zu verstehen, wie sich unsere Helme außerhalb kontrollierter Laborbedingungen verhalten und an welchen Stellen sie weiter verbessert werden können.
Höre dir das vollständige Gespräch an
Das Thema Gehirnerschütterung ist viel zu komplex, um es in wenigen Absätzen vollständig abzudecken.
In der vollständigen Podcast-Folge sprechen Dr. Rotunno und Danni Shrosbree darüber, wie Gehirnerschütterungen entstehen, worauf man nach einem Sturz achten sollte, warum Adrenalin die Einschätzung des eigenen Zustands erschweren kann und wie die Rückkehr aufs Rad aussehen sollte.
Die wichtigste Erkenntnis: Zu wissen, wie du deinen Kopf schützt, ist das eine. Zu wissen, wann du aufhören solltest, das andere.
Informiere dich anhand der UCI Concussion Pocket Cards
Dr. Rotunno setzt sich nachdrücklich dafür ein, die geltenden Gehirnerschütterungsprotokolle zu befolgen, und empfiehlt allen Radfahrerinnen und Radfahrern – unabhängig von ihrem Leistungsniveau –, sich mit den entsprechenden Abläufen vertraut zu machen.
Hier kannst du die disziplinspezifischen Pocket Cards herunterladen und dich in Ruhe zu Hause damit vertraut machen.