Muzcali blickt auf 2026
Zwischen Entschleunigung und Neuordnung
Manchmal braucht es Entschleunigung, um zu erkennen, wie schnell alles geworden ist. Für Muzcali fühlt sich dieser Jahresbeginn genau so an. Hinter ihr liegt ein Jahr voller Bewegung: Rennen, Reisen, Asphalt, Schotter. Über 26.500 Kilometer im Sattel, sagt Strava. Dazwischen Flughäfen, Hotels, Übergänge. Jetzt, im Januar, entsteht eine seltene Phase der Neuordnung – kein Stillstand, sondern ein bewusstes Innehalten, bevor das Jahr wieder Fahrt aufnimmt.
Muzcali lebt in Bangkok. Wer sich in der Radszene online bewegt, ist ihr vermutlich schon begegnet – irgendwo zwischen Hitze, Staub und einem ruhigen, offenen Blick. Ihr Jahr pendelt zwischen Straße und Gravel, zwischen Rennen und freiem Fahren. Was bleibt, ist ihre Art aufzutreten: nahbar, neugierig, ermutigend. Sie teilt nicht nur Kilometer, sondern Aufmerksamkeit und Zeit.
Neben dem Rad arbeitet sie als Pilates-Lehrerin. Bewegung ist für sie kein Selbstzweck, sondern ein Zusammenspiel aus Belastung, Erholung und Körpergefühl. Diese Perspektive prägt, wie sie fährt – und wie sie Entscheidungen trifft. Mit Blick auf 2026 geht es ihr weniger um Leistungsdaten als um Neuordnung: Was trägt langfristig, körperlich wie mental?
Das kommende Jahr soll kein weiteres vollgepacktes Kapitel werden. Es geht nicht darum, mehr unterzubringen, sondern bewusster zu wählen: wo sie fährt, was sie fährt – und wann sie bewusst nicht fährt.
Zu Hause zu sein, sagt sie, sei kein Rückzug, sondern Voraussetzung. Für Klarheit. Für gute Entscheidungen – im Leben wie im Sport. Entschleunigung bedeutet für sie nicht Verzicht, sondern Fokus. Wenn sie heute über Rennen spricht, dann nicht in Kategorien von Status oder Pflicht. Es geht um Bedeutung. Um Erlebnisse, die bleiben dürfen.
Gravel spielt dabei eine besondere Rolle. Nicht als Trend, sondern als Lernraum. In Bangkok ist gezieltes Graveltraining kaum möglich. Also hat sie gelernt, indem sie gefahren ist. Rennen wurden zur Schule: für Technik, für Selbstvertrauen, für Anpassungsfähigkeit. Eine Form von Wissen, die sich nicht planen lässt, sondern nur erfahren werden kann.
Ein Termin steht für 2026 dennoch fest: Sahara Gravel in Marokko. Die Wüste, die Weite, Tage im Rhythmus der Strecke. Schlafen unter freiem Himmel. Jeden Tag fordernd, klar, reduziert. Es klingt weniger nach Event als nach Erfahrung – nach einer bewussten Entscheidung für Tiefe statt Dichte.
Gleichzeitig verschwindet anderes vom Kalender. Rennen, die sie schon kennt. Formate, die nichts Neues mehr versprechen. Stattdessen entsteht Raum: zwischen Terminen, zwischen Reisen. Mehr Zuhause. Mehr Zeit, die nicht gefüllt werden muss.
Was sie antreibt, lässt sich schwer messen. Keine Platzierungen, keine Wattzahlen. Es ist die Resonanz, sagt sie. Die Nachrichten von Menschen, die durch ihre Art zu fahren – oder einfach durch ihre Präsenz – Mut gefasst haben. Das sei der eigentliche Grund weiterzumachen.
Reisen, so viel weiß sie inzwischen, braucht Vorbereitung. AirTags gehören für sie längst zur Grundausstattung. Aber entscheidender ist etwas anderes: wirklich anzukommen. Orte nicht nur zu durchqueren, sondern zu verstehen. Über Menschen. Über gemeinsame Ausfahrten. Über Gespräche ohne Agenda.
Ihr Rat für 2026 ist entsprechend unspektakulär – und genau deshalb treffend: Wenn es sich richtig anfühlt, losfahren. Nicht warten. Pläne dürfen sich ändern. Oft beginnt genau dort das Wesentliche.
2026 ist für Muzcali keine große Schlagzeile. Sondern eine ruhigere Geschichte – eine, die Bestand hat.