Vom Bus bis zur Ziellinie
Sieg mit Teamgeist
Vor dem Trofeo Alfredo Binda hatte das Ganze wenig mit Glamour zu tun. Regen peitschte über die Straßen, der Wind kroch unter jede Jacke, und die Kälte blieb konstant präsent. Bedingungen, bei denen eine Streckenbesichtigung mehr zermürbt als hilft. Für das UAE Team ADQ war schnell klar: Das lassen wir.
Stattdessen blieb man eng zusammen – im Bus, im Hotel, mit kurzen Einheiten genau in den Momenten, in denen der Regen für ein paar Minuten nachgab.Der Teambus an einem Rennwochenende ist ein eigener Kosmos. Mechaniker arbeiten ruhig und präzise, fast routiniert bis ins Detail. Die Sportdirektor:innen vertiefen sich in Streckenprofile, irgendwo läuft Musik, und plötzlich steht ein Espresso da, ohne dass jemand weiß, wer ihn gebracht hat.
Dazwischen wird geputzt – viel geputzt. Drei Tage Regen hinterlassen Spuren. Und trotzdem entstehen genau hier die Momente, die man nicht planen kann: ein trockener Kommentar, ein kurzes Lachen, ein Blick, der mehr sagt als jede Taktik.
Mitten drin: Helena Hlasova, Gründerin der Schweizer Frauen-Radsport-Community Riderawr. Sie hinterlässt kleine Motivationssätze auf dem Spiegel im Bus, steht später am Straßenrand neben Elisa Longo Borghini, Silvia Persico und Eleonora Gasparrini und feuert die Juniorinnen an.
Für einen Moment verschwimmen die Rollen. Profis werden zu Fans, eine Besucherin wird Teil des Teams. Alles wirkt weniger getrennt, mehr verbunden.
Am Renntag dann der Wechsel. Der Regen zieht ab, die Straßen trocknen, und die Stimmung kippt. Aus Anspannung wird Fokus.
UAE Team ADQ übernimmt früh die Kontrolle. Angriffe gehen, werden gestellt, das Spiel beginnt von vorn. Bis sich schließlich eine Gruppe lösen kann – drei Fahrerinnen, darunter Karlijn Swinkels.
Auf der letzten Runde wächst der Abstand. Die Funkgeräte werden lauter, der Teamwagen lebendiger. Und plötzlich ist klar: Das könnte heute funktionieren.
Es funktioniert. Für Karlijn Swinkels ist es mehr als ein Sieg. Es ist ihr erster Erfolg auf WorldTour-Niveau.
Und trotzdem liegt die eigentliche Geschichte nicht auf dem Podium.
Sie beginnt früher. Im Bus. In den Abläufen, die jeder kennt. In den kleinen Dingen, die keiner sieht. In einem Team, das funktioniert, weil jede ihren Teil beiträgt – nicht spektakulär, sondern konsequent.
Vielleicht sind es genau diese Details, die am Ende den Unterschied machen. Die ruhige Hand des Mechanikers. Die Stimme im Funk. Oder ein paar Worte auf einem Spiegel, kurz vor dem Start.
Für alle am Straßenrand sind es genau diese Wochenenden, die bleiben: schlechtes Wetter, gute Energie, ein bisschen Chaos – und eine Ziellinie, die plötzlich alles zusammenführt.